Erneut gegen Osten

Nach ungefähr einer Woche wurde aus den Angehörigen der 389 ID ein Transport zusammengestellt, der nach Heidelberg zur Neuaufstellung ging. Dort nochmals neu eingekleidet und auf die Eisenbahn verladen, ging die Fahrt erneut Richtung Osten.

Da unsere Division damals in Kurland lag, und nach dort bereits keine Landverbindung mehr bestand, ging die Fahrt bis Danzig. Wir benötigten für diese Strecke acht Tage, was beweist, daß damals die Zugverbindung bereits nicht mehr richtig funktionierte. In Danzig wurden wir auf ein Schiff namens "Wolta" verladen. Am frühen Morgen stachen wir in See. Mit umgeschnürten Schwimmwesten standen wir auf Deck und sahen die Kirchtürme Danzigs immer tiefer sinken. In der kommenden Nacht war ich zusammen mit einem Matrosen zur Wache eingeteilt. Dies wurde meine erste Seefahrt.


Die im Kriegsdienst stehende "Wolta" der Reederei John T. Essberger, 7.181 BRT

Am frühen Morgen des nächsten Tages liefen wir in den Hafen von Libau ein. Dort wurden wir von einem Vertreter General Schörners auf kurländischem Boden willkommen geheißen. Da uns in einer Schule eine Frontkämpferspende ausgehändigt wurde, konnten wir ohne Zweifel erahnen, daß man uns nicht zur Kur hierher transportiert hatte. Auf die Eisenbahn verladen, fuhren wir noch ungefähr dreißig Kilometer ins Landesinnere. Dort wurden wir auf einem kleinen Bahnhof ausgeladen und sahen schon Fahrzeuge unserer Division.

Nach einem Marsch von etwa zwanzig Kilometern erreichten wir unseren Divisionsstab. Dort schickte man die Artilleristen zu unserem Regiment. Der Kommandeur, Oberst von Muldau, begrüßte uns aufs herzlichste und sandte uns zu unseren früheren Abteilungen.

So gelangte ich mit noch zwei Kameraden zu unserem Kanonen-Müller (Major Müller). Der Vater unserer Batteriefamilie, Hauptmann Heil, war sehr erfreut, seine verloren gegangenen Söhne wieder bei sich zu haben. Unsere Batteriemutter, Hauptwachtmeister Duchard, schickte uns gleich zur Küche, um unseren Hunger zu stillen. Da Funkermangel herrschte, und ich ausgebildeter Funker war, wurde ich der Funkstaffel zugeteilt.

Hier erlebte ich nun meine dritten Weihnachten im Felde. Diese waren jedoch trüber als die vorherigen, da ich von zu Hause keine Post bekam. Somit blieben auch die Pakete aus. Vom Regiment erhielt jeder, der von zu Hause keine Post erhalten hatte, ein Weihnachtspaket. Wir lagen hier in selbstgebauten Holzbunkern. Die Läuseplage war sehr groß; am ersten Weihnachtstag konnte ich in dreißig Minuten eine Abschußzahl von 110 dieser Tiere verbuchen.

Am 29. Dezember wurde ich mit noch einem Kameraden zu einem Funklehrgang der Nachrichtenabteilung unserer Division entsandt.

Dort angekommen, mußten wir zunächst noch Bunker bauen; unter anderem einen großen Lehrsaal. Am Fest der hl. drei Könige (6. Jan.) konnten wir an einem Feldgottesdienst teilnehmen, an den sich eine Generalabsolution anschloß.

Am 30. Januar mußten wir plötzlich zu unserer Einheit zurück. Dort angekommen, fanden wir unsere Batterie schon abfahrbereit. Es sollte angeblich nach Deutschland gehen? Welch eine Freude ....!

Wir fuhren über Frauenburg bis zwanzig Kilometer vor Libau. Hier bezogen wir eine Überlagerungsstellung. Sobald genügend Schiffe im Hafen angekommen waren, wurden die Einheiten aus ihren Stellungen abberufen. Nach einem Marketenderwarenempfang wurde Abschied von Kurland gefeiert. Wir waren alle der Meinung, daß es uns in unserem neuen Einsatzgebiet besser ginge. Einige Wochen später hätten wir uns wieder nach hier zurück gewünscht.

 

Diese Feldpostkarte, abgeschickt am 1.2.1945 im Kurland, brauchte bis zum Bestimmungsort Schoden fast fünf Jahre (Angekommen am 28.1.1950)

Im Hafen wurden wir mit Roß und Wagen auf das Schiff "Tanga" verladen. Die Geschütze und Munitionswagen kamen nach unten. In das Zwischendeck kamen Pferde und die übrigen Fahrzeuge.

Im Oberdeck wurden die Mannschaften einquartiert. Zuerst war die Rede davon, daß wir nach Stettin kämen. Da jedoch inzwischen der Russe bei Kolberg bereits die Ostseeküste erreicht hatte, liefen wir Danzig an und saßen damit im nächsten Sack.


Die "Tanga", 5.125 BRT

Die erste Nacht verbrachten wir in der Aula einer höheren Schule. Am nächsten Morgen wurden wir wieder auf die Eisenbahn verladen und die Fahrt ging bis Konitz an der ehemals deutsch-polnischen Grenze. Während des Ausladens aus unserem Transportzug wurden wir von russischen Fliegern mit Bordfeuer begrüßt. Noch am selben Tag kamen wir zum Einsatz.

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